Die Geburtsstunde des „Da Feng Tang“: Eine Legende der Kunstgeschichte
Das renommierte Malatelier Da Feng Tang wurde von den beiden Brüdern Zhang Shanzi und Zhang Daqian während ihrer prägenden Studienjahre in Shanghai ins Leben gerufen.
In den 1920er Jahren residierten die Brüder in der geschichtsträchtigen Xicheng-Gasse in Shanghai. Dort schlug das Schicksal eine glückliche Brücke: Es gelang ihnen, ein seltenes Meisterwerk des berühmten Ming-Malers Zhang Dafeng mit dem Titel „Zhuge Liangs Expedition“ zu erwerben. Fasziniert von der spirituellen Tiefe und der virtuosen Pinseltechnik des Werkes, empfanden die Brüder tiefste Bewunderung für Zhang Dafeng. Getragen von dem Stolz, denselben Nachnamen „Zhang“ zu teilen, benannten sie den Hauptsaal ihrer Residenz ehrungsvoll nach dem Meister: „Da Feng Tang“ (Der Saal des Großen Windes). So wurde ein Name geboren, der fortan die moderne chinesische Kunst prägen sollte.
Prof. Yiru Cao (Großvater unseres Gründers Daren Cao) verbrachte zwanzig prägende Jahre als treuer Meisterschüler an der Seite der legendären Brüder Zhang Shanzi und Zhang Daqian. Seine meisterhaften Gemälde – ob Landschaften, Flora und Fauna, filigrane Figuren oder Tierdarstellungen – zeugen von einer stupenden Exzellenz und einem unverkennbaren, singulären Stil.
Für Prof. Cao definierte sich die Kunst stets über ihren inhärenten ästhetischen Wert — das fundamentalste Merkmal, das sie von allen anderen gesellschaftlichen Ideologien unterscheidet. Aus dieser tiefen Überzeugung heraus zeichnete er ein dreidimensionales Bild der Kunst, das das Fundament unseres heutigen Schaffens bei RYG Perlen bildet.
Um das Wesen der Kunst ganz zu erfassen, lässt sie sich auf drei grundlegenden Ebenen verstehen:
Die spirituell-kulturelle Ebene: Aus geistiger Sicht ist die Kunst ein eigenständiges Kulturfeld und eine Form des kulturellen Wertes – gleichrangig und auf Augenhöhe mit Religion, Philosophie und Ethik.
Die schöpferische Ebene: Aus der Perspektive des Schaffensprozesses ist Kunst der reinste Selbstausdruck des Künstlers – eine zutiefst schöpferische Tätigkeit und eine feinsinnige Nachahmung oder Neuinterpretation der Realität.
Die materielle Ebene: Aus der Perspektive des Ergebnisses betrachtet, manifestiert sich Kunst als das vollendete Kunstwerk selbst, wodurch ihre objektive und bleibende Existenz in der Welt betont wird.
Neben ihrem rein ästhetischen Wert erfüllt die Kunst wesentliche Funktionen, die tief in das menschliche Zusammenleben und das Individuum hineinwirken:
Der kognitive Wert (Erkenntnis des Lebens): Im Gegensatz zur nüchternen Rationalität der Naturwissenschaften ermöglicht die Kunst dem Menschen, die Natur, die Gesellschaft, die Geschichte und das Leben auf einer zutiefst emotionalen und intuitiven Ebene zu begreifen.
Der edukative Wert (Inspiration der Seele): Abseits von dogmatischer moralischer Erziehung berührt wahre Kunst den Betrachter durch die Vermittlung von Wahrheit, Güte und Schönheit. Sie transformiert Gedanken, Gefühle, Lebenseinstellungen und Werte auf subtile, aber nachhaltige Weise.
Der kontemplative Wert (Geistiger Genuss): Kunst bedient keine rein physiologischen Vergnügen. Sie schenkt dem Geist eine Oase der Kontemplation und erfüllt das tiefe menschliche Bedürfnis nach spiritueller Ästhetik, innerer Harmonie und intellektueller Freude.
„Künstler drücken ihre tiefsten ästhetischen Gefühle und Ideale durch ihr künstlerisches Schaffen aus, während Betrachter im Moment der Betrachtung reinen ästhetischen Genuss erfahren und ihre Sehnsucht nach Schönheit stillen.“
Zhang Shanzi (12. Juli 1882 – 20. Oktober 1940), gebürtig als Zhang Zhenglan und später bekannt als Zhang Ze, wählte zeitlebens die Künstlernamen Shanzi und Huchi. Als gläubiger Christ trug er zudem den Taufnamen Anqi (Anchi). Der visionäre Meister stammte aus Neijiang (Provinz Sichuan) und erlangte als Mitbegründer der berühmten Dafengtang-Schule weltweiten Ruhm – insbesondere für seine unvergleichlichen, ausdrucksstarken Tigergemälde, die bis heute als unerreichte Meisterwerke der chinesischen Kunstgeschichte gelten.
Lehrtätigkeit an den Elite-Akademien: Zhang Shanzi prägte die nachfolgenden Generationen von Künstlern nachhaltig und lehrte unter anderem als geschätzter Professor an der renommierten Shanghaier Akademie der Schönen Künste (Shanghai Academy of Fine Arts).
Die spirituelle Konversion: Geleitet vom letzten Wunsch seiner geliebten Mutter, empfing Zhang Shanzi am 8. Dezember 1938 in Kunming (Provinz Yunnan) das Sakrament der römisch-katholischen Taufe. Diese feierliche Zeremonie wurde von dem historisch bedeutsamen Bischof Yu Bin (dem späteren Erzbischof der Diözese Nanjing und Kardinal) vollzogen.
Ein Vermächtnis von internationaler Tragweite: Als Zhang Shanzi am 20. Oktober 1940 in der damaligen Kriegshauptstadt Chongqing an den Folgen eines Herzleidens verstarb, stand ihm Bischof Yu Bin treu zur Seite und spendete ihm die Sterbesakramente.
Wie tief der Respekt und die Anerkennung für sein Schaffen und sein humanitäres Engagement auf internationaler Bühne waren, zeigte sich kurz darauf im Westen: Am 30. Oktober 1940 versammelten sich hochrangige Persönlichkeiten und Kunstschaffende in der geschichtsträchtigen St. Andrew’s Church in New York City (USA), um ihm im Rahmen eines feierlichen Requiems (Seelenmesse) die letzte Ehre zu erwiesen.
Zhang Daqian (10. Mai 1899 in Neijiang, Sichuan – 2. April 1983 in Taipeh, Taiwan) gilt weltweit als einer der bedeutendsten, vielseitigsten und einflussreichsten chinesischen Maler des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der Dafengtang-Schule erlangte er internationale Berühmtheit und schuf eine faszinierende Brücke zwischen der traditionellen östlichen Ästhetik und der westlichen Moderne.
Gebürtig als Zhang Zhengquan, nutzte der Meister im Laufe seines monumentalen Schaffens die Vornamen Yuan und Jiyuan sowie verschiedene, in der Kunstwelt hochgeschätzte Künstlernamen.
Vom Traditionalisten zum Visionär: Zhang Daqian beherrschte alle Facetten der traditionellen chinesischen Malerei – von der hochpräzisen Gongbi-Feinpinseltechnik bis hin zur expressiven Tuschemalerei. In späteren Jahren revolutionierte er die Kunstwelt durch seinen bahnbrechenden, großformatigen „Pocai“-Stil (gespritzte Farbe und Tusche), der Parallelen zum westlichen abstrakten Expressionismus aufweist.
Der interkulturelle Dialog: Als Kosmopolit lebte und wirkte Zhang Daqian in verschiedenen Teilen der Welt, darunter in Asien, Nord- und Südamerika sowie in Europa. Legendär ist sein historisches Treffen mit Pablo Picasso im Jahr 1956 in Frankreich, welches in der westlichen Kunstkritik als der „Gipfelsturm zwischen Ost und West“ gefeiert wurde.
Das unvergängliche Erbe: Heute sind seine Werke in den bedeutendsten Museen und Privatsammlungen rund um den Globus vertreten. Bei internationalen Kunstauktionen erzielen seine Meisterwerke regelmäßig Rekordsummen, was seinen Status als unbestrittener Großmeister der globalen Moderne unterstreicht.